Wenn der Morgen graut, kehren sie wieder in die Tunnel zurück | Tunnelmenschen in Las Vegas

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Die Tunnelmenschen von Las Vegas.

Anhand eines Paares, das ursprünglich einen "normalen" Lebensweg beging, schildert RTL-Aktuell, wie es dazu kam, dass sie "im Tunnel" landeten.

Las Vegas galt vor 4-5 Jahren als Boomstadt und wurde seit der Wirtschaftskrise 2009 vom Symbol des Booms zum Symbol des Untergangs. Menschen, die bis dahin eine Arbeit hatten, sahen sich von einem Tag zum anderen gekündigt und ohne Geld. Zu stolz, um sich im Obdachlosenheim anzumelden, landen viele hunderte von ihnen in den Tunneln.

Die Tunnel unter Las Vegas dienten ursprünglich als "Storm Drain", als Abflussrohr um bei Regen das Wasser von einem Golfplatz abzuleiten, damit die Fundamente eines Casinos nicht unterspült werden. Wenn es hinter den Bergen regnet, dauert es nur ein paar Minuten, dann werden die Tunnel zu Todesfallen. Wie eine Flutwelle werden sogar Autos und Baumstämme durch die Tunnel gerissen.

Das Leben mit der Taschenlampe, mit kaltem Wasser, das man sich mühsam von draußen holen muss und ohne Strom, wird vorgezogen vor dem Leben "oben", selbst vor dem Leben auf der Straße. Man ist arm, aber sein eigener Herr.

Einmal pro Woche gehen die beiden los "einkaufen". Einkaufen sieht so aus, dass man den nächst gelegenen Müllcontainer aufsucht, möglichst einen, der direkt an einem Einkaufszentrum steht, und dort hofft, abgelaufene Ware zu ergattern. Heute hatten sie Glück. Haben sie doch Lebensmittel im Werte von ca. 200,- Dollar zusammen getragen. Wenn der Morgen graut, kehren sie wieder in die Tunnel zurück. Erst die 10km vom Container zu den Tunnel, dann nochmal 3km tief in die Tunnel rein.

Im Gegensatz zu den Obdachlosen, die "oben" leben, und denen man ihre Herkunft ansieht, wollen die Tunnelbewohner nicht als solche erkannt werden. Sie gönnen sich auch einen Spaziergang durch die Glitzerwelt Las Vegas, aber nicht ohne sich vorher ordentlich zu waschen, entsprechende Kleidung anzuziehen und die Schuhe zu wechseln. Feste Schuhe seien ganz wichtig hier unten in den Tunneln sagte er. Hier gibt es riesige Spinnen, deren Gift, wenn man gebissen wird, sich festfrisst und unter die Haut, bis tief ins Fleisch geht. Wenn man Pech hat, muss der Körperteil, in den gebissen wurde, amputiert werden. Aber davon wollen sie nichts wissen, heute wo sie ausgehen werden, nach oben.

Und tatsächlich, mal kann sie nicht von den anderen Menschen unterscheiden. Das ist auch so gewollt.

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